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Arbeitet die Bahn an neuem Touch & Travel System?

23. September 2010 1 Kommentar

Touch Travel Arbeitet die Bahn an neuem Touch & Travel System?Seit mehr als einem Jahr führt die Deutsche Bahn einen Feldversuch mit dem Touch & Travel-System durch. Dabei können die Reisenden sich mit einem Handy vor Abfahrt in das Touch & Travel-System einchecken und erwerben somit einen Fahrausweis. Bei Fahrtende checkt man dann wieder mit dem Handy aus dem System aus und das System errechnet dann, was der für den Fahrgast optimale Fahrschein für diese Fahrt gewesen wäre.
Am Ende eines Monats erhält der Fahrgast dann eine Sammelrechnung über alle Fahrten und zahlt dann bequem per Lastschrift.

Dieses System fuktioniert über sogenannte RFID-Chips (radio-frequency identification), die im Handy verbaut sind. Über dieses System kann der Standort und auch der einzelne Fahrgast zweifelsfrei identifiziert werden. Um sich einzuchecken, startet der Fahrgast eine App auf dem Handy und hält das Handy an den Touchpoint an der Haltestelle.

Das System funktioniert an sich einwandfrei, jedoch hat die RFID-Technik in Deutschland eine weit geringere Verbreitung als in anderen Ländern. In Japan wird RFID in Handys sehr häufig zum bezahlen verwendet und ist dort quasi der Nachfolger der Kreditkarte.

Aktuell werden in Deutschland aber nur zwei Handy-Modelle, die einen RFID-Chip besitzen. Da aber nicht jeder potentielle Kunde von Touch & Travel extra auf eines der beiden Samsung-Handys ausweichen will, ist vor allem die RFID-Verbreitung ein großes Problem für den Erfolg von Touch & Travel.

In einer aktuellen Umfrage an Touch & Travel-Testkunden waren nun erste Hinweise auf ein Überdenken der RFID-Lösung zu finden. So wurden die Kunden gefragt, wie attraktiv andere Möglichkeiten des Eincheckens in das Touch & Travel-Systems für den Kunden sind.

Alternativen zur derzeit verwendeten RFID-Technik waren im Fragebogen zum einen das Einchecken per Eingabe eines Zahlencodes. Hier besteht jedoch die Gefahr, daß die Fahrgäste diesen Code auch während der Fahrt eingeben können, d.h. es wäre möglich schwarz zu fahren und erst beim bemerken einer Fahrgastkontrolle schnell den Code einzugeben, es sei denn der Code an der Einstiegsstelle würde sich fortlaufend ändern, so daß man nur den Code eingeben kann solange man sich noch in der Nähe der Haltestelle befindet.
Der Vorteil des Systems wäre, daß quasi jedes Mobiltelefon den Service verwenden könnte, also auch preiswerte oder ältere Geräte.

Als nächste Option war das Einchecken pe GPS-Ortung angegeben. Die GPS-Ortung funktioniert auf ca. 50 bis 100 Meter Umkreis vom Standort. Der Nutzer würde bei dieser Option alle Haltestellen im georteten Umkreis angezeigt bekommen und müsste dann aus dieser Liste selbst wählen, ob er gerade in einen Zug, Bus, Straßenbahn oder die S-Bahn einsteigt. Neben der Ungenauigkeit und dem großen Radius von GPS, besteht das Hauptproblem von GPS in der Ortung in geschlossenen Räumen oder unterirdischen Stationen, die nicht ohne weiteres möglich ist, da das Satellitensignal dort nicht empfangen wird.
Die Verbreitung von GPS-Mobiltelefonen steigt derzeit stark, da die meisten hochwertigeren neuen Handys einen GPS-Empfänger besitzen, der unter anderem auch die Handynavigation ermöglicht.

Die dritte Option, zu der die Fahrgäste befragt wurden, sind QR-Codes. QR Codes sind kleine quadratische Schwarz-Weißmuster, in denen bestimmte Informationen verschlüsselt sind. Diese Codes werden von der Bahn bereits auf Online-Tickets verwendet, die man sich als Fahrgast zu Hause ausdrucken kann, aber auch die Lufthansa erlaubt den Check-In per Handy, wenn auf dem Handy der QR-Code angezeigt wird.
Um einen QR-Code auszulesen, müsste der Fahrgast dann eine App starten und mit der Handykamera den QR-Code am Touchpoint abfotografieren, um sich einzuloggen. Da viele Handys eine Kamera besitzen ist das eine gute Lösung, die eine weite Verbreitung finden könnte, allerdings muss für das Handy eine QR-Lesesoftware installiert werden. Da es aber eine Vielzahl verschiedener Betriebssysteme (z.B. Symbian, Android, iOS, Blackberry, Windows Mobile etc.) gibt, und diese auf den Geräten in unterschiedlich alten Versionen vorhanden ist, dürfte es schwierig sein flächendeckend funktionierende QR-Reader für alle Handys anzubieten.
Zudem gibt es hier das gleiche Problem wie beim Zahlencode. Fahrgäste könnten sich den QR Code abfotografieren, ausdrucken und dann erst während der Fahrt, kurz vor einer Fahrkartenkontrolle den mitgeführten, ausgedruckten QR-Code fotografieren.

Wir können also gespannt sein, in welche Richtung sich das Touch & Travel-System weiter entwicklen wird. Der Kundennutzen liegt jedenfalls auf der Hand, da der Gang zum Schalter und Fahrkartenautomat und das Hantieren mit Kleingeld entfällt.